Er liebt mich...er liebt mich nicht...

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Story zum 1-Jährigen!



++++


Tage geh’n vorbei, ohne da zu sein
 Alles war so gut
 Alles wir und ihr

 Geht...Geht...

 Wir haben nichts falsch gemacht,
 Die ganze Zeit gedacht,
 So könnt es weiter geh’n
 Alles andere werden wir seh’n
 
 Geht...geht...’

++++

Frisch geduscht tritt Bill in dieser Sonntagnacht aus dem Badezimmer seines Hotelzimmers. Ja, Hotelzimmer. Er ist gerade mit seiner Band ‚Tokio Hotel’ auf Europa-Tour. Das heutige Konzert fand in Lissabon, der Hauptstadt Portugals statt. Es lief alles super und die Fans waren von dem Auftritt der Band maßlos begeistert.
Der schwarzhaarige Junge schien sehr müde aber auf der anderen Seite schien ihn irgendetwas zu bedrücken. Nur was war es?
Er wollte sich gerade in das große Doppelbett, was mitten im Raum stand, legen und schlafen, da fiel sein Blick auf ein Buch, welches auf dem Schreibtisch lag. Er überlegte kurz und drehte sich wieder von seinem bequem wirkenden Bett weg. Als er sich auf den Holzstuhl vor den Schreibtisch gesessen hatte, strich er mit seinen Fingerspitzen über den Namen, der das Buch trug. ‚Tagebuch’ verzierte den schwarz gehaltenen Deckel in einer etwas kitschigen silbernen Schrift. Neben dem Buch lag ein Kugelschreiber. Er schlug das Buch langsam und nachdenklich auf und nahm den Stift in seine Hände. Er dachte kurz nach, als er an der nächsten leeren Seite angelangt war. Doch bevor er anfing zu schreiben, legte er den Stift auf die leere Seite, sodass er sie schnell wieder fand und schaltete seinen Laptop an, der mit auf dem großen Tisch stand. Er wollte Musik hören. Er mochte es nie, wenn es leise war und ohne Musik ging bei ihm sowieso nichts. Er suchte in seiner Liste nach einem Lied von ‚Green Day’ und entschied sich letztendlich für ‚Wake me up when September ends’. Er sang mit, was sich unheimlich gefühlvoll anhörte, doch sobald er den Stift in seine Hand nahm und anfing zu schreiben, verstummte er, um sich besser auf den neuen Eintrag seines Tagebuches zu konzentrieren...

‚Hey.
Heute war mal wieder ein ziemlich stressiger Tag. Zuerst kamen wir gestern Nacht hier in Lissabon an, konnten nur 5 Stunden schlafen und mussten am nächsten Morgen schon wieder Interviews über Interviews geben. Wir waren alle total fertig, aber was muss, das muss. Heute Abend mussten wir dann auch noch auf die Bühne. Es war mehr als anstrengend, doch was tut man nicht alles, um die Plattenfirma noch am Vorletzten Konzert glücklich zu machen? Ich muss sagen, dass das Konzert wieder echt voller Erfolg war. Die Halle war restlos ausverkauft und die Fans mehr als begeistert – das habe ich an ihren Gesichtern gesehen. Ich muss zugeben, dass ich das vermissen werde. Mehr als das. Ich habe mir immer geschworen, nie mit der Musik aufzuhören und das mache ich auch nicht. Auch nicht, wenn morgen der letzte Tag ist, wo wir bei unserer Plattenfirma ‚Universal’ unter Vertrag stehen.
Wenn ich noch einmal zurück denke, wie alles anfing. Damals, Anfang 2005, wussten wir noch nichts von unserem Glück – wenn man es Glück nennen kann. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich mit den anderen dreien eines Samstagabends auf dem Weg in die ‚Eule’ war, weil wir mal wieder einen Auftritt hatten. Wir dachten zuerst, dass es ein Auftritt wie jeder andere sei, doch als wir die Setlist durchgespielt hatten und einen mehr oder weniger milden Applaus bekamen, verließen wir die Bühne. Backstage legten die anderen drei Jungs ihre Instrumente ab und danach beschlossen wir uns noch ein wenig an die Bar zu setzen. Wir saßen nicht lange da, bis uns plötzlich ein Mann, Ende 20 muss er gewesen sein, ansprach. Er erzählte uns, dass er in der allseits bekannten Plattenfirma ‚Universal’ arbeiten würde und auf der Suche nach neuen Newcomerbands war. Er lobte uns mit mehreren Komplimenten und gab uns Tipps, wie wir uns verbessern konnten. Wir kamen in ein Gespräch und am Ende des Abends, beziehungsweise der Nacht, bot er uns an, sich bei uns zu melden. Wir waren sofort Feuer und Flamme und auf dem Weg nach Hause plapperten wir alle vier munter meine Mutter damit voll. Sie war mächtig stolz auf uns und spielte in diesem Thema eine sehr wichtige Rolle für uns.
Es verging eine ganze Woche und wir hörten nichts mehr von dem Manager, David Jost, wie er sich uns vorgestellt hatte. Wir gaben die Hoffnung schon auf und waren allesamt ziemlich enttäuscht. Unsere Eltern hingegen machten uns immer wieder neuen Mut und sagten uns, dass er sich sicher noch melden würde. Und Recht hatten sie.
Es war Sonntag. Georg, Gustav, Tom, Andi – Tom’s und mein bester Freund – und ich, saßen zusammen in meinem Zimmer und unterhielten uns. Die Stimmung der Band war im Eimer und Andi versuchte Hin und Wieder diese drückende Stimmung mit einem Spruch zu verscheuchen. Es gelang ihm teilweise auch, aber dennoch wusste ich, dass er sich Anfangs genauso für uns gefreut hatte, wie wir uns gefreut hatten. Es herrschte gerade schweigen unter uns fünfen, als ich plötzlich aus dem Flur das Klingeln unser Haustelefon hörte. Wir fünf sahen uns nur mit weit aufgerissenen Augen an. Tom war der erste, der sich so langsam wieder fing und tapste vorsichtig zum Telefon und nahm ab. Und dieses Gespräch, was er mit dem Manager David Jost führte, veränderte unser ganzes restliches Leben.
Als mein Bruder dieses Gespräch geführt hatte, trat er wieder in mein Zimmer und bekam aus Fassungslosigkeit seinen Mund gar nicht mehr zu. Es verging ein halbes Jahr. Die Plattenfirma ‚Universal’ lud uns ein, bei sich ein paar Aufnahmen zu machen. Das ganze dauerte an die drei Wochen. Als diese Wochen um waren, wollten sie uns ihren Entschluss mitteilen, ob wir für einen Plattenvertrag geeignet wären oder nicht. Aber sie sagten zu. Wir konnten es gar nicht glauben. Und da fing schon die erste Umstellung an. Wir ließen uns das erste mal von ihnen verbiegen...
Unsere CD kam raus, aber wir hießen schon lange nicht mehr ‚Devilish’ so wie vor gut einem Monat noch, denn die Plattenfirma hetzte uns einen neuen Namen auf den Hals – ‚Tokio Hotel’ sollten wir heißen. Wir beschwerten uns bei ihnen und fragten sie, ob das wirklich sein müsse. Wir bekamen aber nur die Antwort: ‚Ihr wolltet einen Vertrag, da habt ihr ihn. Ihr steht bei uns unter Vertrag, also haltet euch daran!’. Wir waren entsetzt darüber, was David Jost uns sagte und schon ab diesem Zeitpunkt wussten wir, dass es eine falsche Entscheidung gewesen sei, den Vertrag zu unterschreiben. Zu Hause bei unseren Familien ließen wir uns über diese Probleme nicht aus. Klar merkten sie, dass irgendetwas nicht stimmte, aber wir wollten nicht, dass sie sich Sorgen machten. Also taten wir weiter einen auf heile Welt. Irgendwann nahmen sie uns auch das ab.
Als die CD einige Zeit in den Läden war und wir von unserem Team bescheid kamen, dass sie sich massenhaft verkaufte, merkten wir, wie sich unser Leben veränderte. Wir konnten nicht mehr auf die Straße gehen, ohne nach einem Autogramm gefragt zu werden. Es wurde immer schlimmer. Abends konnten wir nichts mehr mit unseren Freunden unternehmen, geschweige denn überhaupt hier zu Hause, denn es wurde belagert – von Fans! Wir bekamen die Schattenseiten unseres Erfolges zu spüren. Aber dennoch war da das tolle – das Musik machen. Aus unserer geplanten Schrei-Tour 2005 hing unser Management noch einen Teil dran. Wir durften auf der Bühne stehen, alles zeigen, was wir konnten und die Hallen waren ausverkauft. Doch als wir abends auf unser Hotel fahren wollten, wurde der Hinterausgang von Fans belagert. Und nicht nur der, sondern das ganze Hotel. Die ganze Nacht, bis zum nächsten Morgen, als wir wieder abreisen wollten. Am Anfang machte es noch Spaß und wir waren wahnsinnig stolz auf uns selber, aber nach einiger Zeit nervte es nur noch. Du hattest keine Privatsphäre mehr. Wurdest von den Fans bedrängt und angefasst – auch wenn du es nicht wolltest. Als die Tour vorbei war und wir wieder bei unseren Familien und Freunden seien konnten, fühlten wir uns gleich wohler. Aber immer wieder kam das Management und hat uns von zu Hause weggeholt. Termine, Termine, Termine. Ja, jedes Mal. Eine Woche frei war pures Glück! Als wir gerade mal wieder unsere freie Zeit genossen haben, stand David auch schon wieder mit dem schwarzen Van vor unserem von Fans belagerten Haus und wollte uns abholen. Und wir mussten mit, schließlich haben wir diesen scheiß Vertrag unterschrieben...
Das ganze ging lange weiter. Ja, sehr lange sogar. Die Karriere machte uns immer fertiger. Es gab Zeiten, da kam ich mal für zwei Tage nach Hause und habe nur geschlafen. Wenn du auf Promotour durch ganz Deutschland bist, kaum schlaf hast und immer dieses scheiß lächeln in deinem Gesicht haben musst, weißt du, warum du danach nur noch schlafen will! Ich hatte eine Zeit lang keine Kraft mehr, was unsere Fans auch bemerkten. Ja, die Fans, die sich auch Sorgen um unser Wohlbefinden machten und nicht die anderen Fans, die uns nur zu Gesicht bekommen wollen, und es ihnen einen scheiß interessiert, wie es uns dabei eigentlich geht. Wie es uns geht, wenn sie uns bedrängen und wir keine Privatsphäre mehr haben!
Das Jahr 2006 ging vorbei und unser Team teilte uns mit, dass wir 2007 eine Tour haben werden – aber nicht nur in Deutschland! Nein, auch im Ausland. Internationale Stars sollten wir werden. Kurz zuvor waren wir schon auf Promotour im Ausland.
Die Tour an sich verlief auch gut und wir freuten uns sogar darauf. Und unsere Freude bestätigte sich. Die ersten Konzerte im Ausland waren der hammer. Die ganzen Ausländischen Fans konnten unsere deutschen Texte mitsingen – das machte uns noch um weiteres Stolz. Doch als wir in der Mitte der ganzen Tour angelangt waren, war unsere Kraft auch schon wieder wie aus geloschen. Die Konzerte waren meist ohne einen Tag Pause aneinander gequetscht. Wenn wir in einer Stadt abends das Konzert gegeben hatten, durften wir noch schnell in irgendein Hotel – was natürlich auch wieder von irgendwelchen Fans beschattet wurde – und uns schnell duschen. Doch schlafen konnten wir dort nicht. Das mussten wir in unserem großen Nightliner machen, mit dem wir über Nacht in die nächste Stadt gefahren sind, um dort am Abend wieder ein Konzert zu spielen. Wir saßen tagtäglich aufeinander, konnten zwischendurch nicht mal unsere Familie und Freunde sehen – das hat an den Nerven genagt, dass sage ich dir!  Klar, es war geil jeden Tag seinem Hobby nachzugehen, doch wirklich jeden Tag Hundertprozent geben – das wurde nach einiger Zeit zu viel für uns! Und neben den ganzen Konzerten am Abend, mussten wir am Tag verteilt noch Fernsehauftritte und Interviews hinter uns bringen! Dass uns das zu viel wurde, interessierte David nicht! Nein, er wollte nur, dass wir das machten, was wir von ihm verlangten. Und schlussendlich taten wir das auch. Gezwungen...
Auch das Jahr verlief nur mit Terminen, Terminen, Terminen. Ich kann mich an keine Zeit erinnern, wo wir mal nicht einen Tag Sorgenfrei auf die Straße gehen konnten. Entweder hatten wir – wie gesagt – Termine, oder es waren die Fans, die uns den letzten Schimmer Freizeit klauten – wir mussten Autogramme geben! Klar, war es geil, so viele Fans zu haben. Aber wir wollten auch mal als die vier Jungs aus Magdeburg auf die Straße gehen und nicht als ‚Tokio Hotel’. 
Aber apropos ‚die vier Jungs aus Magdeburg’... Wir mussten sogar eine Veränderung in unserem Leben vornehmen. Welche? David verlangte von uns, dass wir nach Hamburg ziehen würden. Er meinte – und das war das verantwortungsvollste, was ich je aus seinem Mund gehört habe -, dass es besser für unsere Familien wäre, wenn wir nicht mehr in Magdeburg/ Loitsche wohnen würden, sondern hier in Hamburg. Ja, besser für unsere Familien, weil das Haus dann angeblich nicht mehr belagert wurde. Scheiße war’s! Da ging Davids Plan wohl doch nicht auf und er zog noch seine Vorteile daraus. Unsere Häuser wurden trotzdem noch weiterhin belagert und David hatte uns immer bei sich, wenn er uns brauchte. Ich hasse ihn!
Wo wir vier hier ein Loft in Hamburg besitzen, saßen meine Mutter und Gordon zu Hause und rissen sich schon nahezu die Haare aus dem Kopf! Ja, eines Tages, wo wir mal wieder in Hamburg waren, sah ich das Auto meiner Mutter auf das Gelände der Lofts fahren. Ich wunderte mich ziemlich was sie hier wollte, doch als sie dann plötzlich völlig aufgelöst und weinend vor uns stand wussten wir, was Sache war. Es war aus! Zwischen ihr und Gordon – unserem zweiten Vater! Tom und ich konnten es nicht glauben, waren geschockt. Und ich war fertig mit der Welt. Ja, es riss mich weiter runter, dass es meiner Mutter so schlecht ging! Ich saß abends auf meiner Fensterbank und sah in den Sternenhimmel und weinte – ja ich weinte, du hast richtig gelesen, liebes Tagebuch.
Wir fragten nach, was der Grund sei, dass es aus war und sie nannte ihn uns. Und als ich diesen Erfuhr, wäre ich am liebsten zurück nach Loitsche gefahren und hätte alle, aber wirklich alle Fans die vor unserem Haus standen zusammen geschissen. Denn genau sie waren der Grund. Gordon kam damit nicht mehr klar. Meine Mutter auch schon lange nicht mehr, doch das Haus gehörte Gordon, das wussten wir alle. Sie stritten sich und irgendwann gab meine Mutter nach. Sie packte all ihre Klamotten zusammen und verließ das Haus - am Ende stand sie vor uns, weinend. Zuerst schlief sie eine Weile bei mir und Tom, doch das ging auf Dauer nicht gut. Sie beschloss sich eine Wohnung zu mieten. Als sie jedoch erfuhr, dass die anderen leer stehenden Lofts von Fans von uns aufgekauft oder gemietet werden sollten, erschloss sie kurzerhand all die Lofts von dem Gelände aufzukaufen! Und wofür?! Sie wollte einen Hauch von ihren Zwillingen haben. Einen Hauch von Bill und Tom – ihren Söhnen. Und nicht von Bill und Tom – dem Sänger und dem Gitarristen von ‚Tokio Hotel’.
Wieder einmal verging einige Zeit. Fast ein ganzes Jahr. Am Ende des Jahres war David mal so gütig und gab uns frei. Tom und ich flogen auf eine Insel in Spanien, doch unser bester Freund Andi und unsere Mutter durften natürlich nicht fehlen und so kamen sie mit. Wir verbrachten Silvester mit ihnen dort und es war unbeschreiblich schön. Endlich hatten wir mal wieder Zeit für uns. Wir konnten uns entspannen und brauchten keine Angst haben, dass uns ein Fan über den Weg läuft und Fotos und Autogramme haben wollen. Aber dennoch stellte sich heraus – ein Paparazzo war unterwegs. Es kamen Fotos von uns heraus, wie wir im Sand lagen. Gott sei Dank nicht von Andi und Mum. Aber trotzdem merkten wir wieder einmal, dass wir nirgends alleine waren. Irgendwer war immer da, der uns verfolgte, der Fotos machte...
Doch als wir nach Hause kamen, fing der ganze Stress schon wieder von vorne an. Ja, du hast richtig gelesen, nie hatten wir unsere Ruhe. Wir vermissten unsere Freunde und Familie. Zwei Monate später ging es auch schon los – die Europatour!
Und heute sitze ich hier. 1 ganzen Monat sind wir durch Europa getourt. Es war der reinste Horror. Der reinste Kampf. Ja, Kampf. Wir mussten kämpfen, damit wir nicht total kaputt gingen. Wir wurden immer mehr zu Wracks. Immer mehr ausgelaugte Jungs und schon lange nicht mehr die, die wir zuvor waren. Nein, früher hatten wir Spaß daran Musik zu machen und heute? Heute machen wir es, weil wir es müssen. Ja, weil David sagt, wir müssen es. Viel lieber würden wir mal wieder Tage in unserem alten Proberaum verbringen und ein Leben wie vor zwei Jahren führen. Ich vermisse es – und da bin ich sicher nicht der einzige. Dieser Erfolg hat uns kaputt gemacht. Oft sitze ich abends im Hotelzimmer und denke drüber nach, wie schön es wäre, wenn wir diesen Vertrag hier bei ‚Universal’ nicht unterschrieben hätten. Viel lieber wäre ich bei einem Plattenlabel, bei dem wir nur die Hälfte unseres Erfolges hätten. So viel Trubel brauche ich nicht. Klar, es war wirklich immer unser Traum gewesen, aber gleich so viel Erfolg auf einmal? Das ist etwas zu viel, für meinen Geschmack. Schon als der erste Teil der ‚Schrei-Tour 2005’ begonnen hat und ich sah, wie viele Fans für uns in dieser Halle standen und uns zugejubelt haben, war mein Traum erfüllt. Ja, so, wie es im Moment ist, habe ich mir das Musikbusiness früher um diese Zeit nur leider noch nicht vorgestellt. Als wir unseren Namen für ‚Tokio Hotel’ abgeben mussten, war ich geschockt, aber das es nun so weit kommt, dass wir sozusagen Ware von ‚Universal’ sind, um in der Welt mit ihrer Plattenfirma rumzukommen und das Geld einzubringen, war mein letzter Gedanke! So einen Gedanken hatte ich zuvor noch nie. Und jetzt sehe ich, was hinter der Fassade der allseits bekannten ‚fairen’ Plattenfirma steckt...
Nicht einmal eine Freundin durften wir haben. Dabei habe ich sie. Ja, sie ist die – mit meinen Freunden –, die mich glücklich macht, wenn ich nach langer Zeit mal wieder zu Hause in Hamburg bin. Zwar wohnt sie in Magdeburg, aber das macht uns beiden nichts aus. Außerdem würde sich das bald wieder ändern. Wir lieben uns und wir wissen dem anderen zu vertrauen. Ein ganzes Jahr sind wir jetzt schon zusammen und sie ist das Beste, was mir je passiert ist. Und ab Übermorgen, kann ich es endlich bekannt geben! Meine Liebe zu Farina...
Es hat uns alles einfach nur kaputt gemacht und wir sind am Ende. Wir haben diesen Vertrag, der nun über ein bisschen als zwei Jahre lief, durchgehalten und weiter schaffen wir es nicht mehr! Wir haben uns dadurch gekämpft. Bis hier her, bis zu dem Ende dieses Vertrages. In zwei Tagen hätten wir wieder einen Vertrag unter die Nase geschoben bekommen. Würden wir diesen unterschreiben, wären wir 10 Jahre bei ‚Universal’ unter Vertrag. Aber das werden wir nicht machen...
So Leid es uns tut, aber wir können nicht mehr. Es tut uns Leid...den Fans gegenüber. Wir wollten uns unseren Traum erfüllen, aber nicht so. Es hat uns hier hin gebracht, wo wir nun sind. Am Ende - und zwar nicht nur mit unseren Kräften...
Ich muss aufhören, der Eintrag war echt schon urst lang. Ich muss noch nachdenken, über Dienstag. Über das letzte Konzert in Deutschland. Nein, über das letzte Konzert unserer ganzen Karriere. Denn dann war ‚Tokio Hotel’ einmal und wird nie wieder kommen...
Mach’s gut,
Bill!’

Als der schwarzhaarige Junge namens Bill, sein schwarzes Tagebuch mit einem seufzend zuklappte, ging ihm viel durch den Kopf. Aber es tat ihm unheimlich gut, dass alles aufzuschreiben. Noch nie hatte er so frei über das geredet, was in den letzten zwei Jahren passiert war. Nie, auch nicht mit den anderen Bandmitgliedern, seinem besten Freund oder seiner Familie. Ihn nahm das viel zu sehr mit. Ihn, den sentimentalsten von allen...
Bill stand von seinem Stuhl vor dem Schreibtisch auf, schob sein Tagebuch in seine Umhängetasche, wo es erst einmal unentdeckt bleiben sollte und tapste hinüber zu seinem großen Bett. Seine Miene glich immer noch einem nachdenklichen Blick. Er dachte über sein geschriebenes in seinem Tagebuch nach. Bevor er sich endgültig in sein Bett fallen ließ, schaute er noch einmal aus seinem Hotelzimmer, von dem aus man auf die viel befahrene Straße schauen konnte. Unten vor dem Eingag des Hotels standen sie mal wieder. Seine Fans, die er schon hier in Portugal so verrückt gemacht hatte, dass sie Nächte vor dem Hotel campierten, um ihn zu Gesicht zu bekommen. Er stand eine Weile hinter dem großen Vorhang, der das Fenster, welches bis zum Boden reichte, verdeckte, und schielte durch einen Schlitz hinaus. Lange stand er noch da – Unbewusst. Vergas die Zeit. Wieder war er in seinen Gedanken vertieft, wie es wohl bald wäre, wenn er das alles nicht mehr hatte. Tausendmal besser würde es ihm gehen. Aber würde er es nicht auf der anderen Seite doch etwas vermissen? Er schüttelte den Kopf, um seine Gedanken zu verscheuchen, schob den kleinen Schlitz, durch welchen er hinaus in die mehr oder weniger dunkle Nacht geschaut hatte, zu und ließ sich in sein Bett fallen. Er seufzte noch einmal stark, machte sich auf eine Flugreise morgen zurück nach Deutschland gefasst und knipste das kleine Licht auf seinem Nachttisch aus...

++++

Geht...
 Lasst uns hinter euch und uns
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht
 
 Geht...
 Versucht uns vier zu verlieren
 Für uns wird’s erst weiter geh’n
 Wenn wir uns nicht mehr seh’n...’

++++


Als der dünne Junge am nächsten morgen aus seinem Bett kroch, war es gerade mal halb sechs. Für ihn war das schon eine normale Zeit, er hatte sich mehr oder weniger daran gewöhnt. Aber was sollte er schon machen? Er konnte eh nichts daran ändern. In seiner Laufbahn als Frontsänger von ‚Tokio Hotel’ stand das frühe Aufstehen auf der Tagesordnung.
Als er sich seine Haare geglättet und diese unter einer Mütze versteckt, seine Koffer gepackt und die Jacke übergezogen hatte, verließ er mit seinen Sachen das Zimmer. Als er an der Tür stand und die Türklinke runterdrücken wollte, stoppte er. Bill drehte sich noch einmal um, ließ seinen Blick durch den Raum schweifen. Das letzte Hotel, in welchem er die letzte Nacht seiner Karriere verbracht hatte. Die Karriere als Sänger bei ‚Tokio Hotel’.
Seufzend öffnete er die Tür und trat aus dem Zimmer. Hinter sich her zog er einen großen roten Koffer, hatte seine schwarze Umhängetasche – samt Tagebuch – um die Schulter geworfen. Hier draußen auf dem Flur wollte sich die ganze Band um sieben Uhr treffen. Also hatte er noch ein bisschen mehr als fünf Minuten. Er hievte seinen schweren Koffer an die Seite und stellte ihn an die Wand. Als dieser stand und er seine Umhängetasche von seiner Schulter gehoben hatte, ließ er sich nachdenklich an der Wand hinunter auf den Boden gleiten. Er holte sich seinen I-Pod aus der Tasche und schaltete ihn an. Diesmal lief das Lied ‚Here by me’ von ‚3 doors down’.
Er machte die Lautstärke auf die höchste Stufe und schloss die Augen. Saß einfach nur da und wollte noch etwas entspannen. Bis ihn plötzlich wer an die Schulter tippte. Hektisch öffnete er die Augen, zog automatisch die Stöpsel aus den Ohren und stand auf. Sein Bruder Tom stand vor ihm.
„Morgen.“, begrüßte dieser den schwarzhaarigen.
„Morgen.“, brummte er nur zurück und sah auf seine Handyuhr. Die 5 Minuten waren tatsächlich schon um.
„Wir sollen unsere Sachen schon mal runter bringen. Die anderen kommen auch gleich.“, teilte der Junge mit den Dreads seinem Bruder mit, welcher gerade dabei war seinen I-Pod zurück in seine Tasche zu stecken und sich diese umzuwerfen. Er nickte nur stumm. Und genauso stumm nahm er seinen großen roten Koffer und tapste vor zum Aufzug. Der Gitarrist tat es ihm nach.
Unten in der Lobby stand schon Saki. Er war der persönliche Bodyguard der Zwillinge. Von ihrer Mutter arrangiert.
„Hey, Saki!“, begrüßten die zwei ihn.
„Hey Jungs. Gebt mir mal eure Sachen. David sitzt schon im Speisesaal.“, sagte der kräftig gebaute Mann zu den Zwillingen. Die beiden stellten ihre Koffer vor ihm ab und gingen gleich weiter. In der Luft schienen keine wirklich fröhlichen Schwingungen zu liegen. Bill steckte seine Hände tief in seine Hosentaschen, senkte seinen Blick gen Boden und tapste langsam mit seinem Zwilling an der Seite Richtung Speisesaal, wo er saß. Wo David Jost saß. Die Band und auch Saki hatten im Moment keinen wirklichen Kontakt mehr mit ihm. David warf ihnen nur die Aufträge, beziehungsweise die Termine vor die Füße und ließ es in der Öffentlichkeit so dastehen, als ob alles super wäre und er sich mit der Band und dem Bodyguard super verstand. Aber es war die Fassade, was alles so toll dastehen ließ. Wie so vieles eine Fassade hatte in diesem Label...
Als die beiden sich auf den Plätzen niederließen, sagten sie kein Wort. Und so verlief das ganze Frühstück – schweigend. Nur als die anderen beiden Bandmitglieder Gustav und Georg sich dazu gesellten schenkten sie den beiden ein lächeln und ein „Guten Morgen“. Die Stimmung war angespannt. Immer wieder sah der schwarzhaarige Junge mit einem bösen Blick zu seinem noch derzeitigen Manager und Produzenten. Letzterer ließ sich davon aber nicht beirren und schlürfte genüsslich seinen Kaffee. „Jungs, kommt ihr. Wir müssen los!“, die vier Bandmitglieder, die noch an dem großen runden Tisch saßen und gerade ihre Getränke geleert hatte, schreckten hoch. Mit einem seufzen standen sie auf. Folgten ihrem Manager in die Lobby.
„Also, draußen stehen Fans, tut als ob nichts wäre und gebt Autogramm – wie immer also. Der Van steht dann vorne an der Straße.“, gab er den jungs ihre Aufgabe, als sie sich alle versammelt hatten. Noch zwei anderen Bodyguards waren dazu gekommen, um auf Gustav und Georg aufzupassen.
Der schwarzhaarige Junge wechselte mit seinen Freunden noch einen aufbauenden Blick, bevor sie sich dem Ausgang des Hotels näherten. Sie waren alle sichtlich nervös. Unwohl tapsten sie alle vier mit den stark gebauten Männern an ihrer Seite den roten Teppich, der in der Lobby lag, entlang bis zur Tür. Der Manager checkte gerade aus, Angestellte des Hotels bugsierten die Koffer der band hinaus. Die Jungs kamen dem Ausgang immer näher. man sah an ihren Gesichtern, dass sie am liebsten wieder umgekehrt wären, aber das durften sie nicht, dass wussten sie. Doch das wäre das letzte Mal, dass sie so etwas mitmachen mussten – also: Augen zu und durch! Bill atmete noch einmal tief aus. Die Eingangstür wurde von einem Pagen geöffnet und schon schriee ihm eine Menge von Mädchen entgegen...

++++

 ‚Tut es nur für uns,
  Wir können nichts mehr tun,
  Wir haben nicht den Mut,
  Alles wir und ihr...

  Geht...Geht...
 
  Tage geh’n vorbei ohne da zu sein
  Eure Spuren führ’n zu uns
  So weit weg von euch
 
  Geht...geht...’

++++

Der Frontsänger schloss die Tür hinter sich. Endlich war er wieder zu Hause. Heute Mittag um 1 Uhr kam er am Flughafen in Hamburg an. Wieder lief das gleiche ab, wie in Lissabon vor dem Hotel und dem Flughafen. Fans standen dort, wollten Autogramme und Fotos. Schrieen sich die Seele aus dem Hals. Mutig und locker ließen die vier es erscheinen, als sie sich durch die Massen von Mädchen quetschten.
In Hamburg angekommen, konnte er geradewegs in das Loft zu seiner Mutter, um diese zu begrüßen. Auch die Eltern von den anderen waren da. Sogar Andi. Sichtlich überrascht, dass in ihrem Loft auf sie gewartet wurde, freuten sie sich. Sie genossen es. Endlich konnten sie wieder Zeit mit ihrer Familie bringen. Und ab morgen sogar wieder jeden Tag. Sie wussten jetzt schon, dass sie viel freier wären als zuvor. Doch als sie bis in die Nacht gequatscht hatten, zogen sich die Jungs auf ihr Zimmer zurück, denn den Schlaf brauchten sie – auch wenn sie darauf verzichten wollten, nur damit sie mit ihren Freunden und Familien zusammen sitzen konnten, doch diese zwangen sie nahezu. Schließlich wussten sie bescheid, was morgen auf dem Dortmund Konzert stattfinden sollte...
Nachdem Bill sich fertig gemacht hatte und auf seiner Fensterbank saß, von der aus er in den Himmel schauen konnte, rief er seine Freundin an.
„Hey, mein Schatz!“, fröhlich sie zu hören begrüßte er sie.
„Bill...hey. Du rufst ja doch noch an.“, freute Farina sich.
„Ja, es tut mir Leid, dass ich mich erst jetzt melde, aber Mum und Andi und alle sind hier.“, entschuldigte sich der schwarzhaarige mit trauriger Stimme bei seiner Freundin. „Ich...ich dachte, dass du auch da bist?!“
„Es ist in Ordnung, Schatz. Genieß es erst einmal wieder mit Andi und den anderen. Und ja, eigentlich wollte ich auch mit, aber ich hab’s nicht geschafft. Wegen Schule...Du weißt doch, die Prüfungen...“, schuldig hauchte sie die letzten Worte in den Telefonhörer.
„Ja, achso. Na aber morgen, da kommst du oder?“
„Ja, klar, ich fahre morgen früh mit dem Zug hier los. David war mal so freundlich und hat mir die Karte für den VIP-Bereich schon zugeschickt. Also ich sitze dann in der Garderobe, okay?“, sie freute sich riesig, das merkte man. Auf den Lippen der dunkelhaarigen machte sich ein wunderschönes lächeln breit. Ihre dunklen Augen, welche mit einer schwarzen Umrandung von Kajal betont wurden, strahlten nur so in ihr dunkles Zimmer, in welchem sie sich zurzeit befand.
„Oh man, ich freue mich so, dich endlich wieder zu sehen. Nach dieser endlos langen Zeit...“, Bill wurde immer leiser, flüsterte die letzten Worte schon fast.
„Ich auch, Bill...ich auch. Aber bald, da haben wir uns und zwar immer, jeden Tag, wir können uns immer sehen!“, sie quiekte freudig auf, woraufhin ihr Freund leise kicherte.
„Du bist so süß, Farina.“, hauchte er. Es herrschte kurz Stille zwischen den beiden. Genossen einfach zu wissen, dass der andere am anderen Ende der Leitung war. 
„Bill? Bist du mir böse, wenn wir auflegen?“, unterbrach die groß gebaute Freundin Bills die Stille.
„Quatsch, du musst morgen dann ja auch schließlich früh raus. Es ist ja gleich zwei Uhr.“, brachte er verständnisvoll rüber.
„Okay, ich freue mich auf dich morgen. Und auf die anderen alle. Ich liebe dich, mein Schatz. Und bald, da sind wir frei.“, verabschiedete sie sich.
„Ich liebe dich auch, mein Engel! Ich freue mich auch auf dich. Schlaf gut und träum was süßes.“, er schickte noch einen Kuss durch die Leitung und schon legte er auf.
Er seufzte noch einmal. Lächelnd sah er in den Sternenhimmel. Und wie er da so saß, war er glücklich. Ja, das war er. Und das lag einzig und allein an den Menschen, die ihm wichtig waren. Die er die ganze Zeit über so schrecklich vermisst hatte. Doch jetzt wusste er, dass sie nie mehr jemand trennen konnte. Auch keine Karriere. Weil so etwas wollten sie nie wieder eingehen. So ein Risiko, wieder so zu Enden...
Als der Sänger seinen Blick durch den Raum schweifen ließ, blieb er an seiner Umhängetasche hängen, aus welcher die Ecke seines schwarzen Tagebuches guckte. Sofort hüpfte er von der Fensterbank, zog es aus der Tasche, nahm sich noch schnell einen Kugelschreiber von seinem Schreibtisch und setzte sich wieder zurück auf die Fensterbank. Die Füße stellte er auf dem Fensterbrett ab, zog die Beine etwas an seinen Körper, wo er das Buch drauflegen konnte. Und wieder fing er an zu schreiben. Das war der letzte Eintrag seiner ‚Tokio Hotel’-Zeit...

‚Nabend ;-)!
Ja, ich melde mich wieder. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie glücklich ich bin. Gestern schrieb ich dir hier rein und ich war traurig, schlecht drauf und ausgelaugt. Ja, das war ich wirklich. Aber wir sind wieder in Deutschland. Und weißt du was? Alle sind hier. Meine Familie, meine Freunde. Alle die ich lieb’ habe und die ganze Zeit über vermisst habe...alle, bis auf eine. Farina. Sie fehlt mir schrecklich. Aber eben, da haben wir telefoniert und ich habe ihre Stimme gehört, ihre Liebeserklärung. Es puscht mich hoch. Lässt mich glücklich sein und gibt mir unglaublich viel Kraft. Kraft für morgen, den schweren Abschied zu bestehen. Bekannt zu geben, dass wir – ‚Tokio Hotel’ -, einmal waren.
Aber morgen werde ich sie wieder sehen. Ich kann sie wieder umarmen, sie küssen und sie ist in meiner nähe. Und danach...danach kann ich Händchenhalten durch die Stadt mit ihr schlendern. Sie in der Öffentlichkeit küssen. Und ich werde wieder glücklich sein!
Heute zum Beispiel war wieder diese Situation mit den Fans. Als wir das Hotel in Lissabon verlassen haben, mussten wir draußen – auf Anweisung von David – noch Autogramme geben. Die Fans haben sich in einer Reihe aufgestellt an der wir vorbeiliefen und Autogramme gaben. Ich kam an einem Mädchen an, die ein Foto und ein Autogramm von mir verlangte. Ich lächelte gequält in die Kamera und unterschrieb auf ihrem Block. Doch als ich weiter gehen wollte, ging es nicht. Denn sie nahm meine Hand und ließ sie nicht mehr los. Sie schrie mir dauernd zu, dass sie mich lieben würde und ich nicht gehen dürfte. Sie fing sofort an zu weinen. Und ich? Ich stand hilflos da, versuchte mich unbemerkt – so gut es ging – von dem Mädchen zu befreien. Ich gab nebenher weiter Autogramme, aber sie ließ nicht los. Bis ich mich umdrehte und Saki rief. Er befreite mich letztendlich von ihr. Aber nach der Aktion ging ich an den andern Fans vorbei und geradeaus zum Van. David saß schon drin und fragte mich, was das sollte, dass ich schon hier sei. Ich erzählte ihm die Geschichte, doch von ihm kam kein Verständnis rüber. Aber so war es immer. Wir kennen ihn nicht anders...
Na ja, es ist unsinnig, sich über ihn aufzuregen, schließlich ist das Kapitel morgen abgeschlossen. Für immer!
Ich bin gespannt, was morgen passieren wird. Eine Rede werde ich mir nicht überlegen. Das kommt zu Sachlich rüber, finde ich. Ich mache das spontan. Und dann...dann spielen wir noch unser neues Lied...!
Ich bin gespannt, wie es verläuft!
Na ja, heute wurde der Eintrag mal kürzer. Aber ich bin müde, muss noch mal den Text vom Lied durchgehen und mich schon mal drauf einstellen.
Aber trotzdem freue ich mich auf morgen. Ich freue mich auf Farina. Sie gibt mir unglaublich viel Kraft. Also, gute Nacht. Ich gehe danach gleich schnell schlafen, denn desto schneller sehe ich sie wieder!
Ich weiß nicht, wann ich das nächste Mal Zeit habe zu schreiben, schließlich gibt es dann keine einsamen Abende auf Hotelzimmern.
Bis irgendwann wieder,
Bill!

++++

‚Geht...
 Lasst uns hinter dir und uns
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht
 Versucht uns vier zu verlieren
 Für uns wird’s erst weiter geh’n
 Wenn wir uns nicht mehr seh’n

 Geht....Geht...

 Ich brech das Licht
 Die Schatten fall’n auf mich
 Ich seh’ uns nicht
 Alle Schatten fall’n auf mich
 Auf mich, Schatten fall’n auf mich

 Tage geh’n vorbei ohne da zu sein
 Das ist alles was uns bleibt

 Geht...geht...’

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Noch einmal las er sich seinen Eintrag durch – mit einem zufriedenen lächeln. Er klappte das Buch zu, legte es unter seine angewinkelten Beine auf die Fensterbank und sah noch einmal in den Sternenhimmel.
„Morgen sehe ich dich wieder...meinen Engel.“, flüsterte er in die vollkommene Stille des Zimmers.
Als er noch fünf Minuten auf seinem Platz sitzen blieb, überkam ihn die Müdigkeit und so legte er sich in sein Bett. Zuerst nahm er noch einmal sein Buch, wo er die Songtexte aufschrieb, die ihn in den Sinn kamen und ging das neue Lied noch einmal durch. Er war sich sicher, dass er es drauf hatte. Somit kuschelte er sich endgültig in sein Kissen. Und dachte an seinen Engel, an seine große Liebe – Farina. Aber dieser wunderschöne Gedanke wurde mit Gedanken an morgen gestört. Er hatte Angst vor dem Konzert. Vor seiner Rede, wo alles aufgeklärt wurde. Mit einem komischen Gefühl schlief er jedoch ein...

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‚Geht...geht...

 Wenn ihr geht, wenn ihr jetzt geht
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht

 Geht...Geht...

 Wenn ihr geht, wenn ihr jetzt geht
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht...’

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Es war der nächste Tag – der alles entscheidende Tag. Der letzte Tag als ‚Tokio Hotel’. Die vier saßen gerade in ihrem Van, der sie zur Westfahlenhalle nach Dortmund brachte. Hinter ihnen die Autos der Familie die nicht fehlen durften. Sie fuhren gerade auf das Backstagegelände, welches sich hinter der Halle befand. Als sie ausstiegen, drehten sie sich noch einmal zu ihren Fans, winkten ihnen zu, setzten ein lächeln auf. Schließlich durfte keiner ahnen was heute passieren würde. heute Abend da oben auf der Bühne. Als die Jungs die glücklichen deutschen Fans dort so sahen, zerbrach es ihnen fast das Herz. Aber die Entscheidung stand fest und diese wollten sie auch nicht mehr rückgängig machen.
Der schwarzhaarige Sänger ging in einem schnellen Schritt durch die Gänge: Wollte so schnell wie möglich in die Garderobe kommen, um seine Freundin endlich wieder zu sehen. Gefolgt wurde er von seinem Zwilling, seinen Bandmitgliedern und den anderen, die seit gestern bei ihm waren. Saki ging neben ihm, wies ihm den Weg.
„So, hier.“, sein Bodyguard deutete auf eine Tür. Sofort drückte Bill die Klinke runter. Und da saß sie. Farina. Sie hatte eine schwarze Röhre an, ein lila-schwarzes Oberteil und einen schwarzen Hoodie darüber. Ihre dunklen Haare hatte sie glatt auf den Schultern fallen. Ihre Augen waren schwarz geschminkt. Perfekt wie immer. Strahlend sah Bill sie an.
„Farina!“, quiekte er auf. Sofort schreckte sie hoch. Ihr Blick der vorher gen Boden gerichtet war, sah ihn an – ihren Freund.
„Oh mein Gott...Bill!“, hauchte sie und rannte auf ihn los. Schloss ihn in seine Arme.
„Ich habe dich so vermisst.“, flüsterte Bill, schloss seine Augen und genoss es, sie in seinen Armen halten zu können. Als die anderen der Truppe nun auch erschienen, lösten sie sich wieder voneinander. Das große Mädchen – perfekt abgestimmt zu Bill – zog ihren Freund hinter sich her. Etwas weiter abseits von der Sitzecke, auf der die anderen Platz nahmen. Und endlich konnten sie es machen – sich küssen.
Sie standen lange da – sehr lange – und küssten sich einfach nur noch.
Bill strich seiner Freundin eine Strähne aus dem Gesicht.
„Du siehst wundervoll aus, mein Engel.“, hauchte er, ehe sich ihre Lippen wieder berührten.
„Ich mag ja nicht stören, aber dürfte ich sie auch mal begrüßen?!“, Tom. Farina war schon immer seine beste Freundin. Seitdem sie in die Clique kam, war sie immer die, zu der Tom kam, um sich sein Herz auszuschütten. Schließlich ist er ja anders, als das Image ihn dastehen lässt...
„Na, okay.“, grinste Bill, strich seiner Freundin noch einmal über die Wange und trat einen Schritt zur Seite.
„Hey.“, freute Tom sich und drückte seine beste Freundin ganz fest an sich.
„Wie geht’s dir?“, fragte er.
„Gut und dir?“, sie lösten sich aus ihrer Umarmung.
„Ja, ein bisschen aufgeregt...“, Farina schenkte ihrem Freund noch ein lächeln und einen mut machenden Blick und trat weiter zu den anderen. Als sie endlich alle durch hatte und sich gerade auf dem Schoß ihres Freundes nieder gelassen hatte, ging die Tür auf.
„Soundcheck!“, sprach David kurz und bündig in einem Auffordernden Ton.
„Ey...“, nuschelte Bill genervt. gerade jetzt. Sofort sprang seine Freundin auf.
„Los, dauert doch nicht lange. Und außerdem...denk einfach dran, dass es bald vorbei ist.“, sprach das Mädchen dem Sänger gut zu. Sie strich ihm über seine makellose Wange, küsste ihn kurz und schon verschwand die Band zum Soundcheck.
„Ich denke das reicht. Ihr könnt jetzt gehen oder sonst was machen. Ihr könnt euch auch noch hier aufhalten, aber in zwei Stunden werden die Fans rein gelassen.“, sachlich sprach David. Und kalt. Ja, sachlich und kalt.
Bill überlegte was er tun sollte. Sollte er wieder zurück zu den anderen, oder hier bleiben? Er entschloss sich dazu, hier in der Halle zu bleiben. Hier, wo nachher das Ende war. Er ging den Steg entlang bis vorne hin. ging in die Knie und setzte sich auf den Bühnenrand.
„Bleibst du...?“, fragte Tom ihn auf einmal. Er schreckte zusammen, war gerade viel zu sehr in einem Tagtraum versunken.
„Ja...“, nuschelte Bill und sah seinen Bruder an, der sich kurzerhand zu ihm gesellte.
„Ich darf doch, oder...?“, Bill nickte nur.
Schweigend saßen sie nebeneinander. Der jüngere der Zwillinge – und wenn es nur zehn Minuten waren – ließ seinen Kopf auf der Schulter seines großen Bruders nieder.
„Tom...ich habe Angst.“, sprach er seine Gefühle aus. Es hallte durch die riesen Halle, wo hier und da noch ein paar Absperrungen aufgebaut wurden. Von draußen hörte man die Fans ihre Songs singen....
„Ich auch, Bill...Aber du weißt, dass das alles nur das beste für uns ist. Wenn wir so weiter machen, dann...dann gehen wir ganz kaputt. Auch wenn es den Fans schrecklich weh tut...“, kam es aus Toms Mund. Er starrte vor sich hin, baumelte mit seinen Füßen, welche in der Luft hingen, hin und her.
„Du hast recht...aber trotzdem...“
„Ich weiß...es ist für uns alle schwer. Aber denk dran, wie es wird, wenn es alles vorbei ist. Es wird viel leichter für uns sein! Und für die anderen auch. Sie hängen alle irgendwie mit drin, Bill...“, der Gitarrist zog seine Schulter weg, Bill sah ihn an.
„Du hast Recht, Tom...“, nuschelte er.
„Na also. Und wir packen das nachher. Wir haben schon so viel in diesen zweieinhalb Jahren geschafft...“, er sprach seinem Bruder Mut zu. Dieser lächelte gezwungen und fiel seinem Bruder langsam um den Hals. Ja, auch Brüder machten so was. Und man sah ihn beiden Gesichtern, dass ihnen eine Last abgenommen wurde. Und alles nur, weil sie mit ihrem Zwilling gesprochen haben. Sie sich gegenseitig Mut gemacht haben.
„Komm, lass uns zu den anderen zurück...“, Tom stand auf und hielt seinem Bruder die Hand hin. Er half ihm hoch und somit gingen die beiden nebeneinander zurück in die Garderobe...

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Wenn ihr geht, wenn ihr jetzt geht
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht

 Geht...
 Versucht und vier zu verlier´n
 Für uns wird’s erst weiter gehen,
 Wenn wir und nicht mehr seh’n

 Geht...Geht..
.



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„...nur eine Weile, du bist nicht alleine!“, hallte es aus den Boxen, die verteilt in der Halle standen. Die Fans kreischten, jubelten und weinten. Aber dieses Mal blieb der Konfettiregen aus. Manche Fans wunderten sich, da es bei der Tour eigentlich immer der Abschluss war, machten sich aber nichts weiter raus.  Die Jungs standen nun schon anderthalb Stunden auf der Bühne. Performten ihre ganze Setlist. Sie ließen sich nichts anmerken. Tom hatte wie immer sein allseits bekanntes Checkergrinsen auf den Lippen und auch die anderen verhielten sich normal. Vor der Bühne standen Farina, Andi und die Freunde der anderen beiden. Eigentlich stand an diesem Platz immer nur Andi, aber heute war es anders. Wie so vieles...
Als Bill und co. kurz von der Bühne verschwanden, um einen Schluck zu trinken und noch einmal durchzuatmen, wurden vorne vor dem Steg vier Barhocker aufgebaut.
David stand auch dort neben Saki hinter der Bühne. Die Arme vor der Brust verschränkt.
„Macht, was ihr nicht lassen könnt...Rennt in euer Unglück!“, zischte er den Jungs zu, als sie zurück auf die Bühne liefen. Sie gingen vor zu den vier Hockern. Sie setzten sich drauf. Die Fans kreischten. Die Band ließ in ihre Blicke durch die Halle schweifen. Als diese jedoch langsam ruhiger wurden, biss Bill sich nervös auf der Unterlippe rum. Er sah noch einmal zu seiner Freundin und seinem besten Freund. Farina formte mit ihren Lippen ein: „Du schaffst das schon!“ und so als hätte Bill das verstanden, nickte er. Das Mädchen vor der Absperrung ließ ihren Blick zu ihrem Wasserstoffblonden Kumpel neben sich schweifen. Sie blickte nervös drein, schnappte sich seine Hand und drückte sie fest. Bill fing an zu reden und mit einem Mal verstummte die ganze Halle. Es war Mucksmäuschenstill...
„Also...wie ihr wahrscheinlich schon mitbekommen habt, hören wir heute nicht mit ‚An deiner Seite’
auf. Wir müssen euch heute nämlich etwas mitteilen...ja. Ich weiß nicht wie ich anfangen soll...es fällt uns allen schwer euch das zu sagen. Ich fange mal von ganz vorne an. Damals, 2005, ihr könnt euch sicher daran erinnern, da fing alles an. Wir spielten die Schrei-Tour. Es war alles noch super. Wir genossen es. Und ihr ward da, ihr, unsere Fans! So etwas  haben wir uns wenige Monate zuvor noch nie träumen lassen können...ähm aber es hat sich viel verändert, das steht fest. Der Fanhype war riesig. Und ihr ward immer da. Standet vor Hotels und überall wo wir waren ward ihr auch. Auf der einen Seite gab es uns am Anfang unglaublich viel Kraft und es machte uns stolz. Wir waren stolz, dass wir endlich allen zeigen konnten, was wir drauf haben. Aber...ja, jetzt kommt das große aber...in dem Bussines bei uns lief viel falsch. Viel zu viel. Als der ganze Hype um uns auch noch im Ausland anfing und wir Wochenlang nicht zu Hause waren...das...das raubte uns die ganze Kraft. Wir versteckten uns hinter einer Fassade. Wir taten nach außen hin, als ob alles toll wäre, als ob es uns super geht...doch so war es schon lange nicht mehr der Fall...du kannst nicht mehr normal auf die Straße gehen, dich nicht mit deiner Clique treffen...überall ward ihr und das wurde uns zu viel. Klar, es gibt auch Fans von euch, die uns nicht hinterher reisen. Die uns nicht auf der Straße ansprachen...und solche Fans haben wir uns gewünscht. Die, die uns auch Privatsphäre lassen und uns auch mal als Georg, Gustav, Tom und Bill auf die Straße gehen lassen....nicht als Tokio Hotel. Aber glaubt mir, dass ist nicht der einzige Grund für das ganze hier und heute Abend...hinter dieser Fassade hinter der wir steckten...ähm, wie soll ich das sagen...die hatte viel Dreck am stecken. Sie überhäuften uns mit Terminen, Interwievs und Konzerten. Wir hatten keine Freizeit mehr. Sie schickten uns in andere Länder...obwohl wir das gar nicht wollten. Sie taten so viel gegen unseren Willen. Sie zwangen uns dazu. Und wir, wir mussten gehorchen...bis heute. . Dem Management! Wir sind daran kaputt gegangen. Wir sind schon lange nicht mehr die vier Jungs aus Magdeburg, die wir 2005 noch waren...unser lächeln war schon lange nicht mehr echt...nein, es war gespielt, aufgesetzt...gezwungener Maßen...Und wir haben nur noch einen Wunsch. Hier raus zu kommen, aus dieser Welt, wo nach außen hin der Schein so sehr trügt, so dass es keiner mitbekommt, wie es uns wirklich geht. Wir wollen wieder in unser altes leben in die Welt eines normalen Jungen, der Erwachsen wird...nein, der schon erwachsen ist und eigentlich die geilste Zeit seines Lebens vor sich hat...das alles, was wir im Moment nicht mehr machen können, das fehlt uns. Wir vermissen unsere Familie...unsere Freunde. Und ich...ich vermisse sie. Meine große Liebe...Ja, ich habe sie gefunden...schon seid über einem Jahr sind wir glücklich zusammen...und sie ist eine Person, von wenigen, die mich in den Tagen, wo ich frei habe, glücklich macht...wo ich die Zeit genießen kann...aber da ist wieder der Hacken. Der Hacken, der von dem Management kommt...nie durfte ich meine Liebe zu Farina preisgeben...nie! Aber hier und heute läuft dieser scheiß Vertrag aus, wir werden frei...und heute, ja heute kann ich euch allen hier in dieser Halle sagen, dass ich sie Liebe...über alles. Sie ist das Beste was mir hätte passieren können. Und jetzt...jetzt kann ich sie endlich in der Öffentlichkeit küssen. Farina? Ich liebe dich...“, Bill sah zu seiner Freundin. Sie hatte Tränen in den Augen. Vor Glück.
„Und was ich euch eigentlich nur mit meinem ganzen Gelaber sagen will, ist, dass wir vier, wie wir hier sitzen...nie mehr auf so eine große Bühne kommen werden. Der Erfolg hat uns kaputt gemacht, hat uns die Kraft genommen! Auch wenn es nie den Schein gemacht hat. Aber der Schein hat getrübt...Und heute mit diesem Konzert läuft unser Vertrag aus...! Uns wurde angeboten, den nächsten zu unterschreiben, doch wir waren uns alle einig...wir waren uns einig damit abzulehnen! Ihr habt richtig gehört! Wir werden hier und heute...hier vor euch und mit diesem Konzert unsere Karriere beenden! Nie mehr werden ‚Tokio Hotel’ noch mal ein Konzert geben! Wir werden aus Hamburg wegziehen, uns irgendwo anders ein haus kaufen. Ein neues Leben anfangen...nach diesem Lebensabschnitt, der uns geraten hat, nie auf nette Menschen rein zu fallen...Ja, das sind wir nämlich. Aber mit der Musik werden wir weiter machen! Wir werden nicht mehr in das moderne Studio von ‚universal’ fahren, nein, wir werden in unseren alten geliebten Proberaum zurückkehren...werden dort auf der Bühne, aus Holzpaletten, Musik machen. Werden in diesem Raum, wo alles anfing, Parties schmeißen, mit unserer Clique...das, was wir alles nicht mitmachen konnten, als wir auf der Tour unterwegs waren...wir holen es nach! Wir sind jung...Aber bevor ich jetzt aufhören...ähm...wir wollten noch einmal danke sagen! An unsere wahren Fans. An die, die uns ein halbwegs normales Leben führen lassen. Ich spreche von den treusten, den verständnisvollen Fans. Und genau für die, tut uns das alles hier so schrecklich leid. Aber verzeiht uns...wir wären daran zerbrochen...kaputt gegangen...wir hätten dieses Jahr nicht mehr geschafft. Das hätte unser Ende bedeutet. Aber danke, dass ihr immer für uns da ward, immer...und danke, dass ihr uns unterstützt habt...wir werden euch nie vergessen...nie...! Wir werden jetzt noch ein...ein einziges Lied spielen. Ich habe es extra für heute geschrieben...das letzte Lied wird das in unserer ‚Tokio Hotel’- Zeit sein. Es heißt ‚Geh’. Und ich hoffe, ihr lasst uns gehen...uns in unser neues Leben gehen. Unser Leben ohne dieses Bussines...danke für alles...“, das letzte Wort hauchte Bill nur noch in das Mikrofon. Ihm lief eine Träne die Wange hinunter und auch die anderen drei aus der band neben ihm auf den Hockern sahen traurig aus. In ihren Augen blitzten Tränen. Aber Bill war sichtlich erleichtert. Als er seine rede beendete, zwinkerte Gustav ihm aufmunternd zu. Denn jetzt musste er nur noch dieses Lied spielen. Dann war es mal mit ‚Tokio Hotel’. Sein Zwilling nahm seine Akustikgitarre aus dem Ständern neben ihm, nahm sein Plektron zwischen die Finger und fing an zu spielen. Der schwarzhaarige fing an zu singen:
Tage geh’n vorbei, ohne da zu sein
 Alles war so gut
 Alles wir und ihr

 Geht...Geht...
 Wir haben nichts falsch gemacht,
 Die ganze Zeit gedacht,
 So könnt es weiter geh’n
 Alles andere werden wir seh’n
 
 Geht...geht...

 Geht...
 Lasst uns hinter euch und uns
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht
 
 Geht...
 Versucht uns vier zu verlieren
 Für uns wird’s erst weiter geh’n
 Wenn wir uns nicht mehr seh’n

 Tut es nur für uns,
 Wir können nichts mehr tun,
 Wir haben nicht den Mut,
 Alles wir und ihr...

 Geht...Geht...

 Tage geh’n vorbei ohne da zu sein
 Eure Spuren führ’n zu uns
 So weit weg von euch
 
 Geht...geht...

 Geht...
 Lasst uns hinter euch und uns
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht

 Versucht uns vier zu verlieren
 Für uns wird’s erst weiter geh’n
 Wenn wir uns nicht mehr seh’n

 Geht....Geht...

 Ich brech das Licht
 Die Schatten fall’n auf mich
 Ich seh’ uns nicht
 Alle Schatten fall’n auf mich
 Auf mich, Schatten fall’n auf mich

 Tage geh’n vorbei ohne da zu sein
 Das ist alles was uns bleibt

 Geht...geht...

 Wenn ihr geht, wenn ihr jetzt geht
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht

 Geht...Geht...

 Wenn ihr geht, wenn ihr jetzt geht
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht

 Geht...
 Versucht und vier zu verlier´n
 Für uns wird’s erst weiter gehen,
 Wenn wir und nicht mehr seh’n

 Geht...Geht...
“, Bill sang das Lied gefühlvoll und einfach nur wunderschön. Er hatte die Augen geschlossen, saß geradeaus vorne zum Publikum hin. Als er die Augen wieder öffnete, sah er zu den Mädchen in den ersten Reihen. Sie weinten. Sahen die Band wortlos an. Schrieen nicht, standen einfach nur reglos da. Manche hielten sich die Hände vor ihr Gesicht. Hier und da wurden welche aus der Menge gezogen, sind in Ohnmacht gefallen. Für die ganzen Mädchen im Publikum brach an diesem Abend eine Welt zusammen.
„Es tut uns Leid...“, rief Tom noch einmal in sein Mikro. Auch Gustav und Georg sagten noch ein „Danke!“. Und schon verließen sie die Bühne. Ihr letzter Auftritt als ‚Tokio Hotel’ war zu Ende. Sie hatten ihn hinter sich gebracht. Und als sie von dieser großen Bühne gingen, ließen sie automatisch eine Welt hinter sich, in die sie nie mehr zurückkehren wollten. Bedröppelt aber auf der anderen Seite auch glücklich verließen sie die Bühne. Sie tapsten hintereinander die kleine Treppe hinunter, die von ihr herunter führte. Da standen auch schon ihre Eltern. Bill lief geradewegs in die Arme seiner Mutter. Sie drückte ihn ganz fest an sich.
„Du hast es hinter dir Bill...und das hat du wunderschön gesagt...Sie werden es verstanden haben.“, redete die rothaarige auf ihren Sohn ein. Als sie diesen aus ihren Armen hob und ihn ansah, glitzerten Tränen auf seinen Wangen. Sie wischte sie weg.
„Ich bin stolz auf dich!“, sprach sie noch einmal auf ihn ein. Als sie sich alle umarmt hatten und mehr oder weniger mit gemischten Gefühlen dastanden, kamen auch endlich Andi und Farina hinter die Bühne.
„Schatz...“, rief Bill und rannte auf sie zu. Sie kam ihm entgegen gerannt und sprang im regelrecht in die Arme.
„Ich...ich liebe dich auch! Und du bist auch das Beste was mir je passiert ist!“, schniefte sie. Sie weinte. Sie war glücklich. Noch nie war sie glücklicher in ihrem ganzen Leben.
„Mein Engel...jetzt sind wir frei...“, Bill nahm ihr Gesicht in seine Hände und zog sie immer näher an sich, bis sich ihre Lippen trafen...

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‚Wenn ihr geht, wenn ihr jetzt geht
 Versucht nicht zu versteh’n
 Warum es nicht mehr geht

 Geht...
 Versucht und vier zu verlier´n
 Für uns wird’s erst weiter gehen,
 Wenn wir und nicht mehr seh’n

 Geht...Geht...’

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Nach diesem Abend stand die Presse Schlange bei den vier Jungs. Sie gaben noch diese letzten Termine und dann ging wieder ein halbwegs normales Leben los.
Es dauerte zwar fast ein halbes Jahr, bis sie gar nicht mehr angesprochen wurden, aber danach hatten sie ihre Ruhe. Sie konnten wieder normal in die Schule gehen, sich mit ihrer Clique treffen und waren glücklich vergeben. Zumindest Bill und Georg. Sie machten viele Parties in ihrem alten Proberaum, wo sie sonst auch wieder ihrem Hobby nachgingen. So wie der Sänger Bill Kaulitz es in seiner Rede in Dortmund gesagt hatte: Sie probten wieder auf der Bühne aus Holzpaletten, konnten wieder Parties veranstalten und sich ohne Trubel auf der Straße blicken lassen.
Sie zogen mit ihren Familien in eine andere Gegend Magdeburgs, wo sie das Leben nach der falschen Welt weiter lebten. Sie genossen es, nur noch Hobbymäßig der Musik nachzugehen. Ab und an hatten sie kleine Auftritte in Kniepen. Auch wenn sie immer berühmt werden wollten: ihr jetziges Leben wollten sie nie mehr gegen eine Karriere eintauschen!

++++
 
THE END!

 

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